Kutza. Parabli. Tschoda.* Wer nach Österreich kommt und Deutsch in der Schule gelernt hat, hat es nicht leicht. Sobald Österreicher*innen ihren Dialekt auspacken, ist es mit dem Verstehen vorbei. Dialekte gibt es natürlich nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache am 21. Februar haben wir Geschäftsstellenleiterin Karolina B. in Feldkirch sowie den Dolmetscher Masoud A. zu ihren Mundarten befragt.
Im Kurdischen gibt es drei Haupt-Dialekte: Kurmandschi (Türkei, Syrien, Irak, Iran, Armenien, Libanon) ist die meistgesprochene kurdische Sprache. Im Westiran und der Autonomen Region Kurdistan wird Sorani und im Ostirak und Westiran Südkurdisch gesprochen. Während Kurmandschi lateinische Buchstaben hat, verwenden Kurd*innen die Sorani sprechen ein arabisch-basiertes Alphabet.
Dann geht es aber erst richtig los. Denn innerhalb dieser Stränge gibt es wiederum Dialekte wie Botanî, Serhedkî, Behdînî, Kalhori, Feyli, Leki und Kolyai.
So weit, so verwirrend. “Ich komme aus Nordsyrien”, sagt Dolmetscher Masoud A. “In meiner Heimat haben wir Kurmandschi gesprochen, aber schreiben konnten wir es nicht, es wurde nicht unterrichtet.“ In Syrien wurde der kurdische Sprachgebrauch jahrzehntelang unterdrückt.
Der derzeitige Präsident Ahmed al-Scharaa räumt den Kurd*innen mehr Rechte ein. Seit 2026 ist Kurdisch offiziell als Minderheitensprache anerkannt und darf etwa in Schulen genutzt werden. Wie weit das in der Realität tatsächlich passieren wird, ist derzeit noch offen.
Doch auch bei uns gibt es Diskriminierung gegenüber Sprachen. Der Fachbegriff dafür heißt Linguizismus. Darunter versteht man Vorurteile, Geringschätzung oder Ablehnung gegenüber bestimmten Sprachen. Ein einfaches und typisches Beispiel: Ein Kind, das zweisprachig aufwächst und Deutsch und Französisch spricht, wird in der Öffentlichkeit meist höher gewertet als ein Kind, das Deutsch und Türkisch spricht.
Auch Dialekte sind von Vorurteilen betroffen. In Österreich wurde Dialekt früher von den Adeligen als „Bauernsprache“ geringgeschätzt. In China will die Führung seit Jahren die Sprache vereinheitlichen. Dabei sind Dialekte Zeichen regionaler Verbundenheit und Kreativität.
URB‑Geschäftsstellenleiterin Karolina B. spricht beispielsweise den Montafoner Dialekt. Dieser wurde von der UNESCO zum immateriellen Kulturgut erklärt. Die Vorarlbergerin ist sogar Montafoner Wortpatin.
Diese Aktion wurde von Montafon Tourismus gemeinsam mit den Montafoner Museen initiiert. „Wortpat*innen bewahren den Dialekt, indem wir Ausdrücke sichtbar machen und sie häufig verwenden.“
Für die Geschäftsstellenleiterin ist der Dialekt Identität. „Im Dialekt kann ich mich viel besser ausdrücken. Ich merke das beispielsweise bei Rollenspielen, die manchmal in Arbeitsgruppen eingebaut werden. Das geht dann nicht aus dem Stand heraus, sondern ich muss überlegen.“
Vorarlberg gilt als Land der zwölf Dialekte, wobei jeder Ort seine Eigenheiten hat. „Mein Sohn, der 15 Minuten entfernt wohnt, oder meine Mutter, die aus einem anderen Ort kommt, haben andere sprachliche Eigenheiten.“
Auch Masoud kann unterschiedliche regionale Dialekte erkennen. Derzeit, so der Dolmetscher, kommen vor allem Kurmandschi-sprechende Menschen zur Beratung. Der sprachbegabte Dolmetscher beherrscht Kurmandschi und Surani sowie Arabisch.
Beim Dolmetschen muss er Begriffe, die es im Kurdischen nicht gibt, einfach erklären. “Ein Beispiel ist ,Verfahrenshilfe‘, das gibt es im Kurdischen nicht. Um sicherzugehen, dass es die Person versteht, dolmetsche ich zur Sicherheit ins Arabische.” Wie Massoud sind viele kurdischen Syrer*innen zweisprachig – also kurdisch und arabisch – aufgewachsen.
Was Karolina wiederum beobachtet: Vor allem jüngere Klient*innen eignen sich den Dialekt rasch an. “In Wien sind die Richter*innen dann immer ganz erstaunt.“ Wobei natürlich auch die Bundeshauptstadt selbst verschiedene Dialekte aufweist – vom Schönbrunner-Deutsch bis zum Meidlinger “L“.
Eine Sprache ist eben mehr als nur eine Sprache. Sie ist genauso vielfältig und lebendig wie wir Menschen.
| Sprache | Dialekt |
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*Kutza: Decke (Vorarlberg)
*Parabli: Regenschirm (Burgenland)
*Tschoda: Haare (Kärnten)